Kindergedichte für Weihnachten


weihnachtsgedichte kinder kindergedichte weihnachten kinderweihnachtsgedichte kinder weihnachtsgedichte


Kindergedichte Weihnachten

Am Weihnachtsabend

Ach, wie unendlich lang ist heut der Tag!
Die Kinder zählen jeden Glockenschlag.
Nun endlich doch verglüht hoch überm Tal
Im Westen sanft der Sonne goldner Strahl.

"Sieh, Schwesterlein, nun wird es draußen Nacht;
Schon ist ein goldnes Sternlein aufgemacht,
Ein zweites jetzt und mehr und immer mehr.
Dort wohnt das Christkind mit dem Engelheer."

Die Kleinste spricht: "Kennt ich nur seinen Stern!
Vom Himmel fliegen säh ich's zu gern;
Doch weiß ich wohl, die Mutter sieht's allein,
Es huscht ganz heimlich in das Haus hinein."

"Horch! Hörst du's knistern?" Und sie atmen kaum,
"Gewiss, das Christkind bringt den Tannenbaum!
Er brennt! Er brennt!" Es fällt ein heller Schein.
Durchs Schlüsselloch ins dunkle Kämmerlein.

Nun spürt man schon der Tanne würz'gen Hauch.
Der Bruder fragt: "Kannst du dein Sprüchlein auch?
Ich hab' mir mein's soeben aufgesagt,
Dass ich nicht stocke, wenn das Christkind fragt."

Die Schwester nickt! - Ein helles Glöcklein klang;
Dem kleinen Pärchen wird so wonnigbang.
Die Tür springt auf; aus grüner Zweige Kranz
Strahlt blendend hell der Weihnachtskerzen Glanz.

Und jetzt zum Tisch! Oh, wie das jauchzt und lacht:
"Oh, sieh nur, was das Christkind mir gebracht!"
Die Wangen glühn, die Augen blitzen klar;
Am Hals der Eltern hängt das frohe Paar.

Nun spielen sie am hellen Weihnachtstisch;
Wie bleiben doch die Äuglein heut so frisch!
Der Sandmann, der zu früher Zeit sonst naht,
Hat sicher heut verfehlt den rechten Pfad.

Doch endlich ruft die Mutter: "Nun ins Nest,
Damit ihr frisch erwacht am Weihnachtsfest!
Zu Bett! Zu Bett!" Die Lichter löschen aus,
Und Engel halten Wacht am stillen Haus.

Julius Sturm


Christgeschenke

Was klingelt im Hause so laut? Ei, ei!
Ich glaube, dass es das Christkind sei!
Das Christkind war's! Seid, Kinder, nur still
Und hört, was ich euch jetzt erzählen will:
Es hat euch gebracht einen Tannenbaum
Voll goldener Äpfel und Püppchen von Schaum,
Voll Zuckerwerk; doch, Kinderchen, denkt,
Hoch oben eine Rute hängt!
Das Christkind hat an alles gedacht
Und Nützliches und Schönes gebracht.
Da seht ihr Trommeln, Soldaten von Blei,
Und eine Fahne hängt nebenbei,
Seht Häuser von Pappe mit rotem Dach
Und drin ein zierliches, kleines Gemach.
Seht Schuhe und Kleider und Tücher und Hut,
Gewiss, das steht zu dem Feste gut;
Auch Teller und Töpfe von blankem Zinn
Und Pfefferkuchen und Mandeln drin!
Hier Peitschen und Wagen, ein Pferdchen gar wild,
Dort zum Zusammensetzen ein Bild,
Hier Schreibebücher; ein Püppchen ganz klein
Wird dort gewiss in der Wiege sein.
Auch herrliche Bücher sind aufgestellt,
Von tausend Lichtern ist alles erhellt.
Doch nur von den schönen Sachen bekommt,
Wer artig war, verträglich und fromm,
Wer folgsam den guten Eltern war
Und fleißig gelernt hat in diesem Jahr;
Wer oft an den lieben Gott gedacht,
Dem hat das Christkind viel Schönes gebracht.
Unartige Kinder dürfen nicht `rein,
Für sie wird wohl nur die Rute sein! -
Drum, wollt ihr am heiligen Abend euch freu'n,
So rat' ich euch, Kinder, stets artig zu sein!

Adalbert von Chamisso


Mütterchen schilt

Wer hat hier genascht vom Weihnachtsbaum?
Das ist doch zu toll mit den Kindern!
Man wendet einmal den Rücken kaum,
Gleich fangen sie an zu plündern.

Wer ist's gewesen? Fritz oder Gret'?
Wer hat hier was abgegriffen
Und hier vom Pfefferkuchen - da fehlt!
Ein groß' Stück abgebissen?

Ihr schweigt? Sagt keiner, wer's getan?
Ich will's schon noch entdecken.
Zur Strafe kriegt ihr vom Marzipan
Kein einzig Stück zu schmecken.

Doch dass der Dieb mir erst wird kund,
Will ich den Fall untersuchen -
Komm, Fritz, mal her! Mach auf den Mund,
Beiß hier in den Pfefferkuchen!

Siehst du! Der Mund passt Zahn für Zahn
Ins abgebissne Eckchen -
Nun kriegst du nichts vom Marzipan,
Doch etwas mit dem Stöckchen!

Richard Zoozmann


Vom Christkind

Denkt euch - ich habe das Christkind gesehn!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit gefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh;
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her -
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack -
meint ihr, er wäre offen, der Sack?
Zugebunden bis obenhin!
Doch war gewiß was Schönes drin;
es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

Anna Ritter



Der kleine Nimmersatt

"Ich wünsche mir ein Schaukelpferd,
'ne Festung und Soldaten
und eine Rüstung und ein Schwert,
wie sie die Ritter hatten.

Drei Märchenbücher wünsch ich mir
und Farben auch zum Malen
und Bilderbogen und Papier
und Gold- und Silberschalen.

Ein Domino, ein Lottospiel,
ein Kasperltheater;
auch einen neuen Pinselstiel
vergiß nicht, lieber Vater!

Ein Zelt und sechs Kanonen dann
und einen neuen Wagen
und ein Geschirr mit Schellen dran,
beim Pferdespiel zu tragen.

Ein Perspektiv, ein Zootrop,
'ne magische Laterne,
ein Brennglas, ein Kaleidoskop -
dies alles hätt' ich gerne.

Mir fehlt - ihr wißt es sicherlich -
gar sehr ein neuer Schlitten,
und auch um Schlittschuh möchte ich
noch ganz besonders bitten,

um weiße Tiere auch von Holz
und farbige von Pappe,
um einen Helm mit Federn stolz
und eine Flechtemappe;

auch einen großen Tannenbaum,
dran hundert Lichter glänzen,
mit Marzipan und Zuckerschaum
und Schokoladenkränzen.

Doch dünkt dies alles euch zuviel
und wollt ihr daraus wählen,
so könnte wohl der Pinselstiel
und auch die Mappe fehlen."

Als Hänschen so gesprochen hat,
sieht man die Eltern lachen:
"Was willst du, kleiner Nimmersatt,
mit all den vielen Sachen?"

"Wer soviel wünscht" - der Vater spricht's -
"bekommt auch nicht ein Achtel. -
Der kriegt ein ganz klein wenig Nichts
in einer Dreierschachtel."

Heinrich Seidel


Knecht Ruprecht

Von drauß, vom Walde komm ich her;
ich muß eich sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldne Lichtlein blitzen,
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann,
da rief's mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es "alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
alt und jung sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn,
und morgen flieg ich hinab zur Erden;
denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo's eitel gute Kinder hat."
- "Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier;
den Apfel, Nuß und Mandelkern
essen fromme Kinder gern."
- "Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten!"
Christkindlein sprach: "So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!"
Von drauß, vom Walde komm ich her;
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hierinnen find!
Sind's gute Kind', sind's böse Kind'?

Theodor Storm


weihnachtsgedichte kinder kindergedichte weihnachten kinderweihnachtsgedichte kinder weihnachtsgedichte